Phelan O’Hara “Werke 2000 – 2020”
09.10.2020 – 230.10.2020

(Werke von links nach rechts. Oben: “Gott” (2003) und “Invisible moon” (2005). Unten: “The president’s footsteps” (2020), “Invisible venus” (2005) und “Death of a spoon” (2008).

 

Biographie

1940
In Northampton, U.K. geboren

1957-60
Lehre in einer Londoner Kunsthandlung

1961
New York, Clayton award scheme (social work studies)

1962
Beginn seiner Tätigkeit als Kunsthändler und Restaurator in London

1963
Erste Malversuche

1965
Ausstellungen eigener Bilder in einem London Lokal. Der Brüsseler Künstler und Sammler E.L.T. Messens erwirbt ein Bild und ermutigt ihn, weiter zu malen

1973
Übersiedlung nach Deutschland und weiter als Kunsthändler und Restaurator tätig

1976
Ernsthafte Malversuche

1980
Nimmt als Pseudonym „Phelan O’Hara“ an – nach mütterlichem und großmütterlichem Mädchennamen

Phelan O’Hara ist größtenteils Autodidakt und lebt und arbeitet in Bremen

 

Einzelausstellungen

1978
Obelisk Gallery, London

1979
Galerie am Ostertor, Bremen

1980
„Poems“, Stadtbibliothek Nienburg/Weser

2004
Galerie in der Au, Bremen

2016
Galerie Michael, Dangast

2020
„Werke 2000 – 2020“, Galerie beim Schlump, Hamburg

 

Ausstellungsbeteiligungen

1978
Verleihung des Europa Preises für Malerei, Kursaal Ostende, Belgien, Bronze Medaille, Katalog
Galerie Falazik, Springhornhof, Neuenkirchen/Soltau

1980
Tom Roche, Albert Held, Kunstverein Gelsenkirchen

2004
Barbara Cunis, Phelan O’Hara, Manfred Lohrengel, Kunstzentrum Galerie ART 99, Worpswede

2007
Joachim Elzmann, Phelan O’Hara, Paul Roxi, Galerie Roche, Bremen 

2012
„Paintings and Sculptures“, Joachim Elzmann, Phelan O’Hara, Paul Roxi, Galerie MIRO, Prag

2017
„Ich ist ein Anderer“, Joachim Elzmann, Phelan O’Hara, Paul Roxi, Galerie und Verlag St. Gertrude, Hamburg

2017
„Köpfgemach“, Joachim Elzmann, Phelan O’Hara, Paul Roxi, Antiquariat und Kunst Carola Bintakies, Bremen

Arnold Fiedler “Zwischen Karneval und schwarzen Spiegeln”
21.02.2020 – 28.03.2020

Den pariserischen Hamburger nannte der französische Kunsthistoriker Pierre Courthion einst den Hamburger Maler und Grafiker Arnold Fiedler (1900-1985), welcher in seinem Leben des öfteren zwischen den beiden Städten wechselt, in den 60er Jahren sogar überwiegend in der Metropole an der Seine lebt. Stets nimmt Fiedler auch die dort vorherrschenden Kunstströmungen der Zeit auf. Als er 1946 nach Hamburg zurückkehrt, ist er noch vom veristischen Surrealismus seiner ersten Pariser Zeit geprägt. Im zerstörten Nachkriegs-Hamburg sieht er Vorweltlandschaften, aus denen sich nach dem Untergang der Vogel Phönix erhebt. Fiedler vermischt Wirklichkeit, Traumvorstellungen und Erinnerungen. Bilden am Anfang noch gegenständliche Formen den Ausgangspunkt, so führt ihn seine künstlerische Entwicklung im Verlauf der 50er Jahre immer konsequenter zur Abstraktion. Arnold Fiedler findet seinen eigenen Weg und unverwechselbaren Stil irgendwo zwischen lyrischer Abstraktion, Tachismus, abstraktem Surrealismus und Informel. Er gilt als der Vorreiter der gegenstandsfreien Malerei in Hamburg.

Von all den Künstlern, deren Werke in der Galerie beim Schlump ausgestellt wurden, dürfte Arnold Fiedler der bekannteste sein. Die Werkschau des einst der Hamburger Sezession angehörigen Malers skizziert eine bemerkenswerte künstlerische Entwicklung und ist zugleich eine kleine Weltreise. Ob in Paris oder auf St.Pauli, ob in Sao Paulo oder Rio, ob in Tunis oder an der norddeutschen Küste – Fiedler sucht mit Hilfe von imaginären Stadtplänen, Mauer- und Messerzeichnungen nach dem Glanz des Fremden, nach magischen Festen und geheimen Traumpalästen. Er folgt dem Lichtstrom der nächtlichen Stadt mit ihren Hochhäusern, Karussells und Eroscentern, sieht die einsamen Hotels am Strand und hinter einem Signalturm einen schwarzen Mond.

Nur einen Katzensprung entfernt von Arnold Fiedlers ehemaligen Wohnatelier in den Grindelhochhäusern sind seine Bilder nun vom 21.Februar bis zum 28.März in der Galerie beim Schlump zu sehen. Nicht ganz unpassend zur Karnevalszeit, denn Fiedlers thematische Vorliebe für das Fest und das Fröhliche führt insbesondere in seinem wieder vermehrt zum Gegenständlichen neigenden Spätwerk häufig zu Darstellungen derartiger Szenarien. Vor allem die Bilder vom Karneval in Rio nehmen in der Ausstellung diesbezüglich einen größeren Platz ein und stehen für die Unbefangenheit und den ungebrochenen Optimismus des Künstlers.

Jacques Henri Roger “Pandämonium – Eine Ästhetik des Schreckens”
15.11.2019 – 21.12.2019

Die Bilder Jacques Henri Rogers (1942-2012) sind zurück in der Galerie beim Schlump. Nach der letztjährigen erfolgreichen Ausstellung Die verborgenen Bilder steht dieses Mal vor allem das zeichnerische Frühwerk des 1972 nach Hamburg ausgewanderten Franzosen im Mittelpunkt. Dieses entstand in den 60er Jahren zum Teil noch in Paris und zeugt von einer besonders dunklen Phantastik.

Roger entwirft in seinen frühen Bildern eine eindrucksvolle Ästhetik des Schreckens. Detailreich, opulent, wirkungsstark und klar konturiert scheint er sich an einem graphischen Lexikon der Spukgestalten zu versuchen. Der Betrachter kann sich dem Rausch des schönen Schauderns kaum entziehen und erliegt einer rätselhaften Anziehungskraft. Er wird in finstere Gebiete geführt, die nicht an der Höllenpforte enden. Der Ausstellungstitel Pandämonium, welcher die Gesamtheit und den Ort aller Dämonen bezeichnet, verspricht daher nicht zu viel.

Rogers zeichnerisches Frühwerk, das in der Nachfolge des veristischen Surrealismus steht und ebenso Bezüge zu Künstlern wie Hieronymus Bosch, Pieter Brueghel d.Ä. oder Matthias Grünewald aufweist, erinnert mitunter auch an das ArtWork heutiger Black oder Death Metal Bands und könnte die Motivpalette eines ausgefallenen Tattooshops bereichern.

Kombiniert werden diese Arbeiten mit frühen Gemälden und eindrucksvollen Holzskulpturen, die der Künstler in seiner letzten Schaffensphase kreiert hat. Hier findet man zum einen die für Roger so typischen Tropfsteinhöhlen ähnlichen Formelemente wieder und wird zugleich – hier schließt sich der Kreis – von vier apokalyptischen Reitern ins Visier genommen.

Jacques Henri Rogers Fahrten ins Schattenreich wirken wie eine Hommage an die dunklen Seiten der Fantasie.

Alexander H. Tolksdorf: “Die lyrische Abstraktion”
26.04.2019 – 01.06.2019

Mit der Präsentation eines Teilnachlasses des Hamburger Malers Alexander H. Tolksdorf (1925-1989) setzt die Galerie beim Schlump ihre Werkschaureihe „Positionen der 50er Jahre“ fort. Tolksdorf widmet sich im Verlauf seiner Entwicklung immer konsequenter einer expressiven, experimentell-dynamischen und intuitiven Ausdrucksform. Er sucht und findet seinen eigenen Pfad innerhalb der abstrakten Malerei.

Die ausgestellten Bilder verdeutlichen eindrucksvoll den Verlauf dieses Weges und zeigen ebenso Berührungspunkte zu Künstlern wie Wols, Willi Baumeister und Georges Mathieu. Besonders Mathieu, welcher den Begriff abstraction lyrique geprägt hat, scheint für Tolksdorf, auch über seine Pariser Zeit in den 50er Jahren hinaus, eine bedeutende Inspirationsquelle gewesen zu sein. Auch wenn Tolksdorfs Vorgehensweise im direkten Vergleich wohl als etwas bewusster zu bewerten ist, versuchen beide Maler durchaus wesensähnlich ihre Empfindungen in einem impulsiven Malakt mit dynamischen Pinselstrichen möglichst schnell und direkt umzusetzen. Beide Künstler sind nicht an gegenständlichen Bestandteilen interessiert, sondern an Farbimpulsen und daran, Farbe einen eigenen Gestaltwert zuzuweisen. Ihr Schwung scheint stets aufs Neue und Vielfältigste geheime kalligrafische Zeichen hervorzubringen.

Alexander H. Tolksdorf erschafft wirkungsstarke Werke von großer Anziehungskraft. In der Galerie beim Schlump kann man nun das erste Mal seit 30 Jahren dieses entfesselte Zelebrieren freier Farben bestaunen.

Verborgene Bilder: Die Phantastik des Jacques Henri Roger
09.11.2018 – 08.12.2018

Der Maler, Grafiker und Bildhauer Jacques Henri Roger (1942 – 2012) schuf in den vierzig Jahren, die er in Hamburg lebte, ein beachtliches Werk in der Nachfolge des Surrealismus, Phantastischen Realismus und der Psychedelic Art.

Schon fast im Verborgenen gestaltete der redescheue Pariser phantastische Welten und bevölkerte sie mit sich und ihren Dämonen kämpfenden, unmöglich erscheinenden Figuren, welche sich aufs Wunderbarste einer eindeutigen Erklärbarkeit entziehen. In einem permanenten Umgestaltungsprozess, in sich selbst verschachtelten Strukturen wohnt man durch Rogers innere Fenster einer sphärischen Mystik bei. Eine vielseitige, dunkle Phantastik mit geheimnisvollen Spiralen, geometrischen Mustern, Engelsstürzen ins schrecklich schöne Unterirdische – opulent wie zart dargestellt in einer fast schon altmeisterlichen Wiedergabe von Details.

Jacques Henri Roger entwickelt eine eigene Bildsprache. Er begibt sich jedoch ebenso auf imaginäre Reisen, besucht die Höllen des Hieronymus Bosch, macht einen Abstecher zum Isenheimer Altar, verweilt bei Surrealisten wie Max Ernst, Richard Oelze, Roberto Matta und Leonora Carrington. Jedoch verlässt Roger während einer neuen Periode die phantastischen Grotten mit den kristallinen Formen und scheint, was die Darstellung des deformierten menschlichen Körpers angeht, mit Francis Bacon zu wetteifern, bevor er dann in einem helleren, psychedelisch wirkenden Wunderland verweilt. Roger malt im Verlauf der Jahre immer großformatiger und wendet sich helleren Farben zu. Ohne Leidenschaft und Hang zum Unwirklichen eingebüßt zu haben, wirkt das Spätwerk Rogers von Ängsten befreiter und ist abstrakter, rhythmischer und selbstsicherer.

Der große Schweiger Jacques Henri Roger hat einen Schatz hinterlassen, den man in der Galerie beim Schlump einen Monat lang betrachten kann.

Wilhelm Hoffmeister: „Klarheit und Raum – Positionen der 50er Jahre“
01.06.2018 – 30.06.2018

Nachdem sich die Galerie beim Schlump 2007 mit den surrealen Elementen und Verfremdungseffekten im Werk von Wilhelm Hoffmeister (1908-1991) beschäftigt und 2008, in einer weiteren Ausstellung, die Milieubilder des Künstlers in den Vordergrund gerückt hat, steht dieses Mal mit einer geometrisch intendierten Malerei eine frühere Schaffensphase des Malers im Mittelpunkt.

Dieser bedeutende Abschnitt im Werk Hoffmeisters ist geprägt durch lineare Klarheit des Bildaufbaus und eine hohe Intensität und Prägnanz der Farben. In großer optischer Deutlichkeit und Konkretheit verwendet der Maler elementare Grundformen, teilt den Bildinhalt durch klare Linien in Einzelflächen auf, fast als wolle er seine starken Farben ordnen, ihre dynamischen Beziehungen untereinander zähmen.

Hoffmeister entwickelt in den 50er Jahren seine geometrisch abstrakten Ausgangspositionen auf vielfältigste Weise und bringt seine Begegnungen von Farbe und Form in klein- wie großformatigen Bildern zu großer Wirkung.

Leo Beninga: „Vom Tiefparterre ins Souterrain“
19.12.2017 – 09.01.2018

Mit der Präsentation von Leo Beningas Bildern beendet die Galerie beim Schlump das Jahr 2017. Im Werk des Hamburger Malers finden sich Bezüge zu diversen vorangegangenen Kunststilen, das Koordinatensystem der Beziehungen baut sich aus dem Surrealismus, der Art Brut, CoBrA und dem Abstrakten Expressionismus auf. Beninga experimentiert mit dem Zufall, gestaltet unkonventionell und unkontrolliert, mal mit dem Pinsel, mal mit der Hand, mal mit dem Messer, tönt, tüncht, spachtelt, kratzt sich durch die verschiedenen Schichten seines Maluntergrunds, läßt Tusche und Tinte über das Blatt fließen, erschafft Gassen ins Gewirr, unentwirrbare Verflechtungen, Pfade ins Souterrain.

Aus Hingabe an unkontrollierte Spontaneität, aber ebenso aus bewusster Kombination von Disparaten entstehen Werke, die an Vexierbilder erinnern. Die Szenerie der wilden Suchbilder ist nur schwer zu verorten, gerade noch wähnt man sich in einer Unterwasser-Unterwelt, dann wieder scheint alles und jeder gänzlich frei im Himmel zu schweben oder in einem Irrgarten festzustecken.

Doch verbindet alle ausgestellten Bilder eine reizvolle, wenn auch geheime Verwandtschaft – aus ihnen strömt eine spannungsgeladene und insgesamt eher dunkle Poesie, auf die Spitze getrieben durch eine gelungene Titelgebung, schmerzlich und schön zugleich. Zur bandagierten Stunde, zwischen Träumen und Alpträumen versammelt Beninga seine verkannten Gäste auf einem verlassenen Jahrmarkt, beschwört seine schwebenden Gedichte, entlockt dem Wundertäter den unbewältigten Rest, findet unter den Neubelebten Leichen und schenkt uns ein dunkles Blatt. Wir bedanken uns und empfehlen den Ausstellungsbesuch.